Tokio Hotel-Beach-Fanfiction TH-Beach-Fanfiction

Zerbrochen

Autor: Sigrid Schröckelsberger
Hauptpersonen: Bill
Genre: Drama
Anmerkung: Diese Story ist frei erfunden.

---Jugendfrei---

Inhalt: Bill ist am Ende seiner Kräfte und beschließt, unter seinem Leben einen Schlussstrich zu ziehen...

Langsam schlendere ich über die nasse Straße. Den Regen spüre ich schon lange nicht mehr. Wie ein lästiges Insekt wische ich nur gelegentlich die Regentropfen von meinem Gesicht. Gedankenverloren blicke ich kurz auf und sehe die in blasses Licht gedämpfte Straße hinunter. Ich weiß nicht wie lange ich hier schon herumirre. Ich weiß gar nichts mehr. Lange Zeit wollte ich nicht wahrhaben, dass alles zerbrochen war, für das ich immer so sehr gekämpft hatte. Erschöpft setze ich mich auf eine Bank und beginne, meine Gedanken schweifen zu lassen. Bis zu jenem Tag, der mein Leben von Grund auf ändern sollte. Damals war ich ein 15-jähriger Junge, der nur für seine Musik lebte und selbst die Schule in den Hintergrund stellte. Jeden Tag verbrachte ich damit, mich meiner Musik zu widmen. Die Musik, die mir selbst in grauen und schweren Zeiten Kraft gegeben hatte. Zusammen mit meinem Bruder und Gustav und Georg hatte ich diese Band gegründet – Devilish. Anfangs sahen wir das Ganze nur als Hobby, als Zeitvertreib. Doch mit jeder Sekunde, die wir zusammen waren, wuchs der Wunsch, unsere Musik auch anderen Leuten zu präsentieren. Wir spielten auch tatsächlich auf einigen Festen in unserer Umgebung. Unsere Eltern hatten uns immer so tatkräftig unterstützt, auch wenn sie sich sicher mehr als einmal dachten, wofür sich diese Strapazen eigentlich jemals lohnen sollten. Doch sie standen hinter uns und fuhren uns regelmäßig zu diversen Veranstaltungen. Die Leute hingegen waren nicht sehr begeistert von unserer Musik, hatten wir dementsprechend auch nur wenige Zuhörer. Doch das war uns egal. Wir wollten einfach nur auf der Bühne stehen und spielen. Unser Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Und er sollte schöner werden, als ich es mir jemals erträumt hätte können. Wir bekamen einen Plattenvertrag. Ich wusste damals nicht so recht, wohin mit uns. Doch bald konzentrierten wir uns auf unsere Musik und arbeiteten intensiv an unserem Stil. Wir entwickelten uns weiter und so passte auch unser alte Bandname nicht mehr so recht zu uns – also beschlossen wir einstimmig, uns von nun an „Tokio Hotel“ zu nennen. Mit der Veröffentlichung unserer ersten Single wuchsen auch Zweifel in uns. Wie würde die Musik ankommen? Würde es den Hörern gefallen? Unsere Zweifel verflüchtigten sich bald, als wir erfuhren, dass die Single von Null auf Eins geschossen war. Wir konnten vor Freude kaum etwas sagen, fielen uns glücklich um den Hals. Damals wusste ich ja nicht, dass dieser Tag der Anfang vom Ende war und mein Leben seither nie wieder so war, wie ich es jemals wollte. Je mehr wir in den Medien waren, umso mehr Hype wurde um uns gemacht. Überall wo wir hinkamen, standen kreischende Mädels, die unsere Namen riefen. Ich konnte und kann bis heute nicht meine Gefühle ausdrücken, die ich damals empfunden hatte. Unbändige Freude gepaart mit dem Bewusstsein, dass wir es endlich geschafft hatten – wir waren berühmt geworden. So viele Rückschläge hatten wir einstecken müssen, so viele Kritiken. Doch daran sind wir nur gewachsen und das hatte sich ja bezahlt gemacht, wie ich nun an den Gesichtern der Mädchen erkennen konnte. Drei Jahre ging das so weiter. Der Hype um uns nahm zwar mit jedem Jahr ab, doch waren wir weiterhin Deutschlands erfolgreichste Band und kein Ende in Sicht. Im Gegenteil. Auch im Ausland wurden wir immer berühmter und holten uns einen Preis nach dem anderen. Abends saßen wir Vier oft in unserem Tourbus und sprachen über das, was in uns vorging. Was uns beschäftigte. Denn eines wusste ich trotz des vielen Stresses und der Anstrengungen: Auf meine drei Boys konnte ich mich immer verlassen. Und nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass uns der Ruhm schon so sehr verändert hatte, dass wir blind wurden. Zu blind um zu merken, was um uns herum vorging. Wir lebten ja nur mehr von einem Tag auf den anderen, fuhren von einer Stadt in die nächste. Doch ich wusste, dass wir alles schaffen konnten, wenn wir nur zusammenhielten. Das hatten wir uns doch geschworen. Dass wir nie abheben würden, uns der Erfolg nie über den Kopf wachsen würde. Wir hatten uns geirrt, ja wir waren schon so darauf programmiert, zu funktionieren, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse zurücksteckten. Georg war der Erste, der einen Schlussstrich unter dem Ganzen zog. Er verließ die Band, kurz nachdem wir unser dreijähriges Bestehen gefeiert hatten. Er meinte, er bräuchte eine Pause, eine Pause, um wieder zu sich selber zu finden und sein Leben neu zu ordnen. Wir verstanden das alle, hatten wir ja von Anfang an gesagt, bevor einem von uns alles über den Kopf wächst, sollte er lieber aussteigen. Dennoch riss das Verschwinden von Georg ein großes Loch in unsere Band und unsere Freundschaft. Denn ohne Georg fehlte zweifellos etwas, dass auch der Bassist, der nach ihm gekommen war, nicht wettmachen konnte. Auch die Fans merkten bald, dass es ohne Georg nicht mehr das Selbe war. Unsere CDs floppten und bald wurden wir von den Medien in der Luft zerrissen. „Das Aus für Tokio Hotel?“ „Tokio Hotel am Ende?“ Diese Aussagen schmerzten mich. Sie schmerzten mich, obwohl ich nie der Typ war, den andere Meinungen interessierten. Ich wollte doch einfach nur auf der Bühne stehen. Doch damit hatte ich wohl einen zu hohen Preis bezahlt. Denn ich konnte zwar das tun, was ich immer wollte, aber ich musste stets den Anweisungen der Produzenten gehorchen, musste immer schön lächeln und mich gut verkaufen. Nicht, dass mir das jemals etwas ausgemacht hätte, im Gegenteil, ich liebte das Rampenlicht, aber mittlerweile sah ich keinen Sinn mehr in dem Ganzen. Der Traum, mein Traum, den ich von frühester Kindheit an hatte, war verloren gegangen. Verloren oder war er ganz einfach zerfetzt worden? Zerfetzt von den tausenden Lügen der Medien, zerfetzt von den höhnischen Gesichtern der Kritiker, die einem einen Schwall aus Nichtigkeiten an den Kopf warfen. Wir mussten uns eingestehen, dass wir verloren hatten. Dass durch den Ausstieg von Georg die Band Tokio Hotel zum scheitern verurteilt war. Auch wenn wir noch so sehr dagegen ankämpften, konnten wir das Unvermeidliche nicht verhindern. Tom und Gustav waren zwar traurig, dass auch ihr Traum zerplatzt war, fingen sich aber nach einiger Zeit wieder und versuchten, so gut wie möglich ein normales Leben zu führen. Doch ich wusste ja, wie Tom dachte. Selbst wenn er seine Gefühle noch so gut verstecken wollte, brachte er das nicht ganz zustande. Ich kannte ihn dafür zu gut und so wusste ich auch haargenau, dass es ihn mehr schmerzte, als er zugeben wollte. Dass er innerlich fast an der Tatsache zerbrach, nie mehr vor Tausenden Menschen spielen zu können. Doch noch mehr als es ihn schmerzte, schmerzte es mich. Ich hatte so lange ich denken konnte, nur auf diesen Traum hingearbeitet und jetzt zerbrach er einfach wie eine Seifenblase. Ich wollte das alles nicht aufgeben. Wollte nicht wieder zurück in die Schule. Alles was ich immer wollte, war auf der Bühne zu stehen. Und mit dem Ende von Tokio Hotel zerbrach auch etwas in mir. Etwas, dass ich bis heute nicht wieder zusammenkleben konnte. Ich hatte zwar versucht, alles zu vergessen und wieder von vorne anzufangen, doch nie wurde es so, wie es einmal war. Ich fiel immer mehr in ein tieferes Loch. In ein Loch, aus dem ich nicht mehr rauskommen würde. Nicht wenn ich dem Ganzen nicht endlich ein Ende bereiten würde...
Erschrocken fahre ich hoch und sehe einen kleinen Hund, der mich wild bellend anschaute. Der Besitzer des Hundes rief kurz einen Namen und der Hund verschwand. Ich stand auf und schlenderte dorthin, wo ich eigentlich schon lange hinwollte. Dahin, wo ich vor langer Zeit einmal glücklich gewesen war. Ich schaue mir das Gebäude an. Seit unserem Videodreh zu „Der letzte Tag“ hatte es sich nicht verändert. Ich öffne die Türe und steige die Stufen empor bis zum Dach. Jeder Schritt ist eine Qual für mich, kommen mit jedem Stück, den ich weiter nach oben gehe, wieder Erinnerungen hoch. Erinnerungen an glückliche Tage. An Tage, an die ich nie wieder denken wollte. Leicht schüttle ich den Kopf, in der Hoffnung, so die Gedanken zu vertreiben. Nun stehe ich hier oben und blicke hinunter. Ein leichter Wind umspielt meine schwarzen Haare und lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen. Kurz schließe ich meine Augen. Ich weiß nicht, an was ich noch denken soll. Alles was ich weiß, ist, dass es so richtig ist. Dass ich nicht mehr weiterleben will. Ohne meine Musik ist alles sinnlos geworden. Ich taste mich mit meinem Fuß nach vorne und spüre die Kante des Daches. Tom, denke ich. Es ist feige von mir, ihn im Stich zu lassen. War er ja immer die Person, die mir Mut machte, wenn mir der Stress mal wieder schier unerträglich wurde. War er ja stets an meiner Seite. Ohne ihn hätte ich schon viel früher hier gestanden, ja vielleicht wäre ich ohne Tom nicht einmal berühmt geworden. Ich habe ihm so unendlich viel zu verdanken und hoffe, dass er mir irgendwann einmal verzeihen kann. Eine letzte Träne rollt über mein Gesicht, bevor ich springe. Der letzte Gedanke, der mir kommt, bevor ich aufpralle, ist ein Bild vor meinem geistigen Auge. Ein Bild von Georg, Tom und Gustav. Damals, als wir noch Devilish waren. Sie strahlten mich an, die Sonne schien ihnen ins Gesicht. Dieses Bild sollte das Letzte sein, was ich sehe. Es sollte mich an glückliche Tage erinnern. An Tage, die seit diesem Bild von den Dreien nie wieder gekommen waren...

The End

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